| | STARTSEITE | PLAKATE | AUSSTELLUNGEN | MUSIK CD | BESTELLUNGEN | IMPRESSUM | |
| |
![]() |
"PLAKATE - ZBIGNIEW KAJA 1924-1983" Ausstellungseröffnung: 31.07.2010, 20 Uhr Ausstellung 02. - 31.08.2010 PIGASUS-GALLERY Montag-Samstag 14-19 Uhr Plakatentwurf: Ryszard Kaja |
| Zbigniew (Zbychu) Leon Kaja (1924 - 1983) 1951 Abschluss an der Akademie für Bildende Künste in Poznan. Maler, Grafikdesigner, Bühnenbildner, Kostümdesigner. Einer der Gründer der s.g. "Polnischen Plakatschule", Schöpfer von über 300 Plakate. Bisher wurden über 300 seine Grafikarbeiten, 86 Ölbilder, 298 Exlibrise, über 400 Umschläge für Bücher, Kataloge und Theaterprogramme archiviert. Er gestaltete 49 Bühnenbilder. 1962 - 1977 Künstlerischer Leiter des Büros für Kunstausstellungen (BWA), später der Nationalen Verlagsagentur in Poznan (KAW). 1961-1965 Dozent an der Akademie für Bildende Künste und Adam-Mickiewicz-Universität in Poznan. Sein künstlerisches Schaffen war eng mit Poznan und der Region Großpolen verbunden. Teilnahme an 28 individuellen und über 40 Sammelausstellungen in Polen und im Ausland. 30 seine Plakate wurden ausgezeichnet, 9 Mal mit dem ersten, 8 Mal mit zweitem Preis. ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° |
| ZBIGNIEW (ZBYCHU) KAJA* ° ° ° Ich bewahre ein paar Bilder in meiner Erinnerung ... Als ich noch ein Kind war, saß ich auf seinem Schoß und krakelte etwas auf ein Blatt Papier. Er fügte dem Gekritzel zwei, drei Striche hinzu und verwandelte es so auf eine magische Weise in ein grafisches Zeichen, in eine amüsante Figur eines Tieres, eines Gewächses oder eines Männleins. Ich erinnere mich, als wir im Posener Bezirk £azarz auf der Straße spielten, und der Vater, als er ein paar Stufen hinuntersprang, sich sein Bein gebrochen hatte. Mich beeindruckten die Malereien, die er auf seinem Gipsverband hervorzauberte. Ich erinnere mich an ihn, als er an seinem Zeichenbrett saß, die schwere Brille bis ans Nasenende heruntergerutscht. Ich erinnere mich an seine kleine Kammer, sein Arbeitszimmer, das ich nicht zu betreten wagte, um ihn bloß nicht zu stören: violette Vorhänge, zwei Tische, an den Wänden 08/15-Schränke mit ganzen Papierstößen überladen, eine freie Wand zum Aufhängen der letzten Arbeiten, in einer Ecke das Bett, darüber und darunter Plakatrollen, überall Bücher und überall Glöckchen, die er sammelte, in einer anderen Ecke Angeln und Paddel, grelles Licht einer Neonröhre und ein großer Fleck von der roten Tusche, die ich als Kind vergoss. Er bewahrte hier eine perfekte Ordnung, trotz einer schier unvorstellbaren Menge an Papier, welches sich in Mappen, Stößen und Ordnern türmte - eigentlich war das ein Lager für Schnipsel, Ausschnitte und Farben; für eine Unmenge an bunten Farben, Blumen in einem Garten gleich. Auf dem Tisch war alles pedantisch angeordnet: Pinsel in Bechern, Holzschnittstichel in Büchsen, Blei- und Buntstifte sowie Radiergummis in Metallschachteln, und ein Blatt weißes Papier, das immer bereit lag, daneben ein riesiges Glas mit reinem Wasser, in das er die Pinsel tunkte. Aus diesem Glas tranken unsere Katzen und hinterließen nicht selten die Chrysanthemen ihrer Pfoten auf der Zeichnung, die daneben lag. Unter dem Tisch wiederum war der Stammplatz seines geliebten Hundes - Tim war ein großer, schwarzer, gemütlicher Faulpelz. Dieses Zimmer gibt es nicht mehr. ° ° ° Mein Vater arbeitete mit dem Verlag WAG (Graphische Verlagsgesellschaft) und dann mit der KAW (Nationale Verlagsgesellschaft), später als deren Leiter, zusammen. Er lehrte kurz an der Posener Hochschule für Bildende Künste und an der Posener Adam-Mickiewicz-Universität, doch die Lehrtätigkeit befriedigte ihn nicht. Hin und wieder betätigte er sich auch als Ministerialrat für Grafik. Und doch gab er immer den Ateliers vor den Amtsstuben den Vorzug. Daher treffe ich bis heute an Theatern und in Druckereien alte Mitarbeiter, die sich gut seiner erinnern können, und nicht nur der gemeinsamen Aufträge, aber auch Späße gedenken, die sie zusammen trieben. Sie beschwören nicht nur das Bild eines vorzüglichen Plauderers, sondern auch eines Fachmanns, der Achtung genoss, herauf. Mein Vater war arbeitswütig. Man berichtet mir, dass er, seiner unzähligen Sorgen ungeachtet, witzig angelegt war, vor Humor sprühte und oft über sich selbst lachte. Das höre ich mit Vergnügen, zumal ich mich selbst so nicht an ihn erinnern kann. Bei mir hat sein jahrelanges Dahinsiechen, die Erschöpfung durch die Krankheit, andere Erinnerungen überdeckt, denn Vater lag zehn Jahre lang im Sterben. ° ° ° Mein Vater versuchte sich in verschiedenen Kunstrichtungen; in allzu vielen. Schade, dass er sich nicht auf seine wesentlichen Talente konzentrierte. Er konnte hervorragend mit Farben umgehen. Er war auch Theater-Bühnenbildner. Er beschäftigte sich mit dem Ausstellungswesen, und arbeitete an den polnischen Pavillons für die Messe und die Expo. Dennoch widmete er sich vor allem der Gebrauchs- und Verlagsgrafik. Das war sein Steckenpferd. Er entwarf Logos, Lettern, Briefmarken, Banknoten, Illustrationen und Umschläge für Bücher und Theaterprogramme. Er war auch ein vorzüglicher Exlibris-Gestalter. In diesen Miniaturmeisterwerken aus seiner Werksatt verschlüsselte er die Charakterzüge des Buchbesitzers. Die Sammlung seiner Exlibris stellt heute die Galerie der wichtigsten Posener jener Zeit dar. Darunter befindet sich der von meinem Vater entdeckte Straßenbahner Zygmunt Warczyg³owa, ein Laienmaler, dessen Karriere er förderte. ° ° ° Man kannte und schätzte meinen Vater vor allem wegen seiner Plakate. Er war ein Mann des Plakats aus Fleisch und Blut, ein vorzüglicher Schriftkünstler, mit einem grafischen Blick, mit einem ausgeprägten Sinn für die Verkürzung ausgestattet, und dabei ein hervorragender Zeichner. Er vermochte es, eine knappe Botschaft mit einer möglichst einprägsamen Bildsprache zu verknüpfen. Er schaffte es, den ganzen Inhalt in ein einziges Zeichen zu bannen. Er ist Autor von beinahe 300 Plakaten. Bis heute steht die genaue Zahl nicht fest, denn die Plakate werden immer noch archiviert. Meistens handelt es sich um politische Plakate und Theater-Plakate. Meine Mutter hat Notizen hinterlassen, in denen sie versuchte sein ganzes Werk zu umfassen. Nach ihrem Tod arbeiten die Enkelkinder Dominika und Mateusz in Posen, und ich selbst in Breslau emsig an einer Auflistung der Hinterlassenschaft. Sicherlich gibt es noch viele unentdeckte Arbeiten von meinem Vater, deren Spuren man in Veröffentlichungen, Rezensionen, Verlagen und persönlichen, ungeordneten Notizen suchen soll. In seine Vergangenheit einzutauchen, ist ein rührendes Erlebnis. Ich kann mich erinnern, dass mein Vater, als er an einem Plakat arbeitete - damals fertigte man die Vorlagen in der Originalgröße an - immer zu einem Fernrohr griff, und dadurch verkehrt rum das Ergebnis betrachtete, um zu sehen, wie es aus der Entfernung, auf der Straße wirken würde. Als ich selbst bereits Malerei studierte, prägte er mir immer wieder ein, dass man das Zimmer bisweilen verlassen muss und es dann als Fremder erneut betreten sollte, um zu sehen, was man verpfuschte. ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° |
| ZBYCHU Zbychu - so hat man ihn allenthalben genannt: in der Familie, unter Freunden. Auch Leute, mit denen er sich nur gelegentlich traf, nannten ihn so. Als Zbychu - ein hilfsbereiter, geselliger und fleißiger Kerl - hat er seinen Platz in der Überlieferung gefunden. All seine Errungenschaften vorzustellen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Mit kleinen grafischen Formen wie Exlibris und Briefmarke angefangen, über Plakate, die ihn berühmt machten, bis zu den Bühnenbildarbeiten, Ausstellungsaufträgen, Bildern, Entwürfen. Alle seine Werke zu erfassen, würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Manche waren vergänglicher Natur. Zum Beispiel Leuchtreklamen oder Raumarrangements existieren einfach nicht mehr. Die Erfolge, die ihm zuteil wurden, verdankte er seinem meisterlichen Können und der Schlichtheit. Seine Werke fanden beim Betrachter eben durch die Vereinfachung und die Klarheit der angewendeten Mittel Gefallen. Er war imstande schöpferisch zu arbeiten, ohne auf die Umstände zu achten. Den Beweis dafür hatte Zbychu erbracht, als er in einem Plakatwettbewerb zwei Preise und eine Auszeichnung einheimste. Zu diesem Zeitpunkt war er schon seit längerem ans Bett gefesselt. Im Liegen verfertigte er Entwürfe, von denen er drei auswählte, sie fotografieren und vergrößern ließ, und anschließend mittels Anilin, das damals zu diesem Zweck gebräuchlich war, entsprechend kolorierte. Talent muss man eben haben. Er war ein Schriftkünstler ohnegleichen. Zbychu feilte an den Buchstaben, bis sie perfekt waren. Heutzutage, in der Computerära fällt es einem schwer, so kunstvolle Lettern zu finden, wie die seinen. Anekdotisch war eine Begebenheit, die sich zugetragen hatte, als er in Anbetracht seines Perfektionismus den Auftrag bekam, handschriftlich eine Eingabe der Bürger Großpolens an den ersten ZK-Sekretär zu gestalten. Die Zeit drängte, und zur Verfügung stand ein einziges Blatt Büttenpapier, das damals nur schwer aufzutreiben war. Zbychu machte sich an die Arbeit, und wurde kurz vor der verabredeten Abgabe fertig. Er prüfte das letzte Mal das Ergebnis, man musste lediglich die Bleistiftspuren entfernen. Also griff er zum Radiergummi, jetzt blieb es nur noch, die Krümel wegzufegen, und just in diesem Moment berührte er mit der Hand das kleine Pinselchen, das aus dem Glas Wasser herausragte. Das Wasser lief über das Ergebnis der emsigen Arbeit, die nun niemand mehr gebrauchen konnte. Was dann kam, wäre Stoff für eine andere Geschichte. Zbychu war ein Posener aus Fleisch und Blut. Als er ein überaus günstiges Angebot bekam, nach Warschau zu gehen, sagte er, zum Leidwesen seiner entsetzten Familie - nein. Posen, Großpolen - das war sein Platz an der Sonne. Hier war er hauptsächlich tätig, wenngleich er auch auswärts reüssierte, sowohl im In- wie auch im Ausland. Auf seinen Bildern verewigte er nur die heimischen Landschaften. Auch zum Angeln, was seine Leidenschaft war, wagte er sich nicht allzu weit weg. Masuren, die Ostsee oder das Gebirge kamen nicht in Frage. Dort konnte man sich zwar erholen, bloß was ist das für eine Erholung ohne Angeln? Mit zwei Dingen wurde er nie fertig - mit dem Geld, das er nicht beachtete, und mit der Gesundheit, die er einfach nicht hatte. Zbychu war fast immer krank. Als ich ihn das letzte Mal sah, meinte er: Ich kann gegen die Widrigkeiten ankämpfen, gegen eine Krankheit oder gegen zwei, doch nicht gegen alles auf einmal. Ich habe keine Kraft mehr. Und so gab er nach. Zbigniew Kaja wurde 59 Jahre alt. Er starb in seinem geliebten Posen am 6. Oktober 1983. Przemys³aw, der ältere Sohn |
| PIGASUS-GALLERY • Torstrasse 62 • 10119 Berlin • Tel.: (+49) 030 28 49 36 97 • info@pigasus-gallery.de |